Buchfreunde

Der_Marsianer
Ulle_Bourceau
Ulle Bourceau

Ich hasse Science Fiction. Ich liebe MacGuyver. “Der Marsianer” von Andy Weir ist zwar irgendwie Science Fiction, es könnte total langweilig sein und voller Technik und abgehobener Zukunfts-Utopien. Tatsächlich könnte es aber genau so jetzt passieren: Eine erste Mars-Mission, ein Sandsturm, einer der Piloten bleibt zurück … und dann … hat man das Gefühl ein neuer MacGuyver ist da unterwegs, bastelt quasi aus Kaugummi und Schweizer Messer eine Mars-Station, macht sich über sich selbst lustig und nimmt alles mit Humor. Ein witziges und zumindest für mich als Sciencefiction-Ablehnerin völlig anderes, spannendes Lesevergnügen!

Andy Weir
Der Marsianer
Heyne TB, 512 S., Sept. 2015
Hier erhältlich

 
Bachmann
Sarah Mirschinka
Sarah Mirschinka

“450 Euro für zwei Wochen all inclusive macht 10.800 Euro im Jahr. Das Leben unter Palmen ist günstiger als das Leben zu Hause.“ – dies ist das Motto im vorliegenden Roman “All inclusive” von Daniel Oliver Bachmann. Drei Paare beschließen, diesen Traum wahr werden zu lassen – und tatsächlich: Wenn man die besten Angebote geschickt miteinander kombiniert, kostet ein Jahr Vollpension weniger als 365 Tage zu Hause.

Alles könnte so schön sein, wenn es da nicht zwei Probleme gäbe. Zum einen lauert in jedem Paradies eine Schlange, die geschickt verführt und manipuliert – zum anderen findet sich eines Tages ein toter Rentner im Hotelpool, dem bald weitere folgen sollen.

In “All Inclusive” ist tatsächlich nichts so, wie es zunächst scheint. Daniel Oliver Bachmanns Protagonisten suchen das Glück und verstricken sich dabei auf höchst spannende Weise in einem Netz aus Freundschaft, Begehren, Liebe und Lügen. Und sie ahnen dabei die ganze Zeit nicht, wer hier warum an welchen Fäden zieht.

Ein messerscharfes und zugleich tragisch heiteres Lesevergnügen!

Daniel Oliver Bachmann
All inclusive – Der Schein trügt
dotbooks, E-Book, Okt. 2012
Hier erhältlich

 
Knausgard
Andreas_Krauss
Andreas Krauß

Lassen Sie sich nicht abschrecken von der Aussicht, Sie fesselten sich an ein großes Leseprojekt. Es lohnt sich. Es ist groß, größer aber ist die Konsequenz mit der Karl Ove Knausgard sein auf 6 Bände konzipiertes autobiographisches Werk angelegt hat.
„Sterben“ ist der fulminante Auftakt. Im Deutschen liegen neben „Sterben“ die Bände „Lieben“, „Spielen“ und „Leben“ vor. Die deutsche Gemeinde wartet auf zwei weitere Bände.
Mit dem Sterben, mit dem Tod des Vaters, beginnt Knausgard seine sehr persönliche literarische Auseinandersetzung.
Kompromisslos gegen sich selbst und andere beschreibt er mit der Präzision eines Chirurgen und der Genauigkeit eines Archäologen. Knausgards Sprache evoziert Gefühle wie Trauer, Ekel, aber auch das schöne Gefühl, an einem großen literarischen Werk teilhaben zu dürfen.

„Wenn mich das Leben eins gelehrt hat, dann es zu ertragen, es nie in Frage zu stellen, und die Sehnsucht, die dadurch entsteht, in meinem Schreiben zu verbrennen.“

Karl Ove Knausgard
Sterben
btb, 576 S., März 2013
Hier erhältlich

 
Wolfgang_Herrndorf
Katharina_Schmidt
Katharina Schmidt

Wolfgang Herrndorfs Roman „Bilder deiner großen Liebe“ tut vom ersten Satz an weh – und nicht nur weil mal weiß, dass es sein letzter erster Satz war. Herrndorf hat sich für die letzte Etappe seines Weges mit Isa eine wahre Heldin an die Seite geschrieben, die angesichts von Gefahren, Krankheit und Tod unbekümmert weiterzieht und beruhigender Weise einen guten Draht zum Universum hat. Ein berührender Roman, von dem es noch viele mehr hätte geben müssen!

Wolfgang Herrndorf
Bilder deiner großen Liebe
Rowohlt Berlin, 144 S., Sept. 2004
Hier erhältlich

 
Siri_Hustvedt
Ulle_Bourceau
Ulle Bourceau

Auch 10 Jahre, nachdem ich das Buch das erste mal gelesen habe, ist und bleibt es mein absolutes Lieblingsbuch. Alles beginnt im New York der 70er Jahre, in einer Zeit, wo es tatsächlich für Normalsterbliche noch möglich ist, in Soho ein Loft zu kaufen, die Kunst Szene sich hier gerade erst noch etabliert, Manhattan noch bewohnt ist. Siri Hustvedt erzählt die Geschichte zweier Künstler-Familien, deren Zusammenwachsen, Dramen und Zerfall so eindringlich und nah, dass man schnell weiss, dass das nicht alles nur wunderbar bleibt und man ahnt, dass die schöne Kunst-Welt nicht nur bunt ist. Beeindruckend sind nicht nur die Menschen, sondernd vor allem auch die Kunst, die während des ganzen Buches entsteht. Man hat einfach das Gefühl, man steht davor, sieht zu wie diese Bilder und Objekte entstehen.

So viel Phantasie, so viel schöne Sprache, so berührend. Für mich immer noch unerreicht, mein Herzensbuch.

Siri Hustvedt
Was ich liebte
rororo, 480 S., April 2004
Hier erhältlich

 
Murarakami_Von-Männern
Julia_Giordano
Julia Giordano

›Von Männern, die keine Frauen haben‹ versammelt sechs neue, relativ lange Kurzgeschichten Haruki Murakamis. Miniaturen über Liebe, Sex, Betrug, Trennung und Tod, die buchstäblich ans Herz gehen. Sehr typisch für Murakami, denn fast immer geht es darin um versehrte, einsame Männer. Männern, denen etwas fehlt. Es handelt sich nicht – wie der Titel suggeriert – um eine Welt ohne Frauen, es ist vielmehr eine Welt der Enttäuschungen, der Zwischentöne, der Träume und Phantasien, eine Welt des Verlustes und der Strategien, nicht verrückt darüber zu werden.

In Murakamis unverwechselbar lakonischer, schlichter Sprache lernen wir einen Schauspieler kennen, der sich nach dem Tod seiner Frau immer wieder mit deren Liebhaber trifft, und versucht zu verstehen, was er zu Lebzeiten nicht mit ihr selbst besprechen konnte. Und einen Angestellten namens Kino, der, nachdem seine Frau ihn betrogen und verlassen hat, eine Jazz-Bar eröffnet und versucht, sein Gleichgewicht zurückzuerlangen. Und einen erfolgreichen Schönheitschirurgen, der die Gefühle zu Frauen eigentlich nie zu nah an sich heranlassen wollte und sich am Ende aus unglücklicher Liebe zu Tode hungert.

Genau wie in seinen großen, epischen Romanen schafft Murakami es, das Lebens- und Liebesgefühl von Großstädtern einzufangen, die nicht wissen, wohin mit sich selbst. Ebenfalls wie immer, könnte das, was erzählt wird, nicht nur in Japan, sondern überall auf der Welt stattfinden. Sicherlich ist das einer der vielen Gründe für den internationalen Erfolg des Autors und dafür, dass seine Fans ihn alle Jahre wieder auf die Wettbüro-Listen mit den erhofften Autoren für den Literaturnobelpreis bringen. Irgendwann wird es hoffentlich wirklich so weit sein, dass er ihn verliehen bekommt.

Die verrückteste und rührendste von Murakamis Geschichten trägt den Titel „Samsa in Love“. Sie erzählt davon, wie ein Käfer eines Morgens in der Gestalt von Gregor Samsa, einem Mann, der im Aussehen an Franz Kafka erinnert, erwacht. Das Essen mit Messer und Gabel und den aufrechten Gang muss er mühsam lernen. Aber in seiner Verzauberung bei der Begegnung mit einer – wegen eines Buckels vertraut käferähnlichen – Schlosserin, deutet sich die vielleicht glücksversprechendste der Liebesgeschichten dieses Bandes ab.

Haruki Murakami
Von Männern, die keine Frauen haben
DuMont, 254 S., Okt. 2014
Hier erhältlich

 

 

 

Haratischwili_Das achte_Leben
Elke Wehinger
Elke Wehinger

Wer in Geschichten und Geschichte eintauchen will und am Ende des Buches (nach knapp 1.300 Seiten!) immer langsamer liest, da das unvermeidliche Auftauchen naht – verdient diesen großartigen Roman!
Die Autorin erzählt anhand von acht Frauen 100 Jahre georgisch-sowjetische Geschichte. Mitreißend, emotional in einer Sprache, die jeden Leser mitreißt. Ein Lese- und Erkenntniserlebnis das mal wieder zeigt, was Literatur kann!

Nino Haratischwili
Das achte Leben (für Brilka)
Frankfurter Verlagsanstalt, 1279 S., Sept. 2014
Hier erhältlich

 

 

Owen Meany_John Irving
 

Christina Ohde-Benna

Ein Buch über bedingungslose Freundschaft. Aus Schicksal wird hier Bestimmung. Alles dient einem höheren Ziel, auch wenn wir das oftmals erst in buchstäblich letzter Sekunde erkennen. Wer kann, sollte es im englischen Original lesen.

 

John Irving
Owen Meany
Diogenes Tb, 864 S., Sept. 1992
Hier erhältlich

 

Stefan aus dem Siepen - Der Riese

Christiane_Glaeser

Christiane Glaeser

Der Text ist anrührend und gleichzeitig humorvoll und ironisch. Was mich berührt hat, ist die klare, einfache Sprache.

 
Stefan aus dem Siepen
Der Riese
dtv, 200 S., April 2014
Hier erhältlich

 
Otsuka-Wovon_wir_traeumten

Kerstin Hämke

Mich hat dieses anmutige, stilistisch anspruchsvolle Buch sehr berührt. Ihr Schreibstil ist allerdings ungewöhnlich und gefällt eventuell nicht jedem.
– Übrigens auch ein empfehlenswertes Buch zur Diskussion für Lese- und Literaturkreise!

 

Julie Otsuka
Wovon wir träumten
Goldmann Tb, 160 S., März 2014
Hier erhältlich

 

1 2