Murarakami_Von-Männern
Julia_Giordano
Julia Giordano

›Von Männern, die keine Frauen haben‹ versammelt sechs neue, relativ lange Kurzgeschichten Haruki Murakamis. Miniaturen über Liebe, Sex, Betrug, Trennung und Tod, die buchstäblich ans Herz gehen. Sehr typisch für Murakami, denn fast immer geht es darin um versehrte, einsame Männer. Männern, denen etwas fehlt. Es handelt sich nicht – wie der Titel suggeriert – um eine Welt ohne Frauen, es ist vielmehr eine Welt der Enttäuschungen, der Zwischentöne, der Träume und Phantasien, eine Welt des Verlustes und der Strategien, nicht verrückt darüber zu werden.

In Murakamis unverwechselbar lakonischer, schlichter Sprache lernen wir einen Schauspieler kennen, der sich nach dem Tod seiner Frau immer wieder mit deren Liebhaber trifft, und versucht zu verstehen, was er zu Lebzeiten nicht mit ihr selbst besprechen konnte. Und einen Angestellten namens Kino, der, nachdem seine Frau ihn betrogen und verlassen hat, eine Jazz-Bar eröffnet und versucht, sein Gleichgewicht zurückzuerlangen. Und einen erfolgreichen Schönheitschirurgen, der die Gefühle zu Frauen eigentlich nie zu nah an sich heranlassen wollte und sich am Ende aus unglücklicher Liebe zu Tode hungert.

Genau wie in seinen großen, epischen Romanen schafft Murakami es, das Lebens- und Liebesgefühl von Großstädtern einzufangen, die nicht wissen, wohin mit sich selbst. Ebenfalls wie immer, könnte das, was erzählt wird, nicht nur in Japan, sondern überall auf der Welt stattfinden. Sicherlich ist das einer der vielen Gründe für den internationalen Erfolg des Autors und dafür, dass seine Fans ihn alle Jahre wieder auf die Wettbüro-Listen mit den erhofften Autoren für den Literaturnobelpreis bringen. Irgendwann wird es hoffentlich wirklich so weit sein, dass er ihn verliehen bekommt.

Die verrückteste und rührendste von Murakamis Geschichten trägt den Titel „Samsa in Love“. Sie erzählt davon, wie ein Käfer eines Morgens in der Gestalt von Gregor Samsa, einem Mann, der im Aussehen an Franz Kafka erinnert, erwacht. Das Essen mit Messer und Gabel und den aufrechten Gang muss er mühsam lernen. Aber in seiner Verzauberung bei der Begegnung mit einer – wegen eines Buckels vertraut käferähnlichen – Schlosserin, deutet sich die vielleicht glücksversprechendste der Liebesgeschichten dieses Bandes ab.

Haruki Murakami
Von Männern, die keine Frauen haben
DuMont, 254 S., Okt. 2014
Hier erhältlich

 

 

 

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